Brustgeschirr – zum Wohle des Hundes
Bei kleinen Hunden durchaus gewohnter Anblick, wird das Brustgeschirr bei großen Rassen oft immer
noch belächelt. Erfreulicherweise werden aber auch immer mehr große Hunde am Brustgeschirr sicher und
gesund geführt. Ich möchte vorwegnehmen, dass weder Brustgeschirr noch Halsband dazu legitimieren,
den Hund ziehen zu lassen. In jedem Falle muss am Gehen an lockerer Leine mit positiven Trainingsmethoden
gearbeitet werden.
Gesundheitliche Aspekte
Allen Voran stehen Gesundheit und Wohlergehen der Hunde. Der Halsbereich des Hundes ist anatomisch ähnlich unserem menschlichen Hals aufgebaut. Das heißt im unteren Bereich ist keine schützende Muskulatur vorhanden. Kehlkopf, Schilddrüse, Luftröhre, etc. befinden sich am Hals. Mittlerweile ist bekannt, dass eine Belastung dieses Bereiches durch einen Zug am Halsband (verursacht durch uns Menschen oder den Hund selbst) gesundheitliche Schäden hervorrufen kann. Die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn wird beeinträchtigt, der Augeninnendruck kann steigen und insbesondere Auswirkungen auf die Halswirbelsäule bis hin zur gesamten Wirbelsäule mit Stauchungen und Bandscheibenvorfällen sind möglich. Ein Hund kann genauso Verspannungen und in Folge Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, etc. empfinden wie wir Menschen.
Bei allen Hunden ist es von Vorteil, wenn die Wirbelsäule unbelastet von Ruck und Druck bleibt bzw. sich der Druck gleichmäßiger verteilt. Im schlimmsten Fall kann es zum Genickbruch und damit sofortigem Tod des Hundes führen, wenn dieser am
Halsband unerwartet in eine (v.a. längere) Leine läuft.
Durch das Tragen eines gut sitzenden Brustgeschirres wird der Druckpunkt vom empfindlichen Halsbereich auf den Brustkorb verlagert. Kehlkopf, Halsmuskulatur, Luftröhre und Wirbelsäule werden entlastet. Zur Rückenproblematik bei Hunden – auch in Folge von Halsbändern und Leinenruck – empfehlen wir das Buch: „Rückenprobleme beim Hund“ von Anders Hallgren.
Gefahr von Fehlverknüpfungen
Fehlverknüpfungen sind unerwünschte Verknüpfungen (gedankliche Assoziationen) von unangenehmen Empfindungen mit bestimmten Situationen bzw. Reizen. Erhält ein Hund beim Anblick eines bestimmten Reizes (z.B. Kind) jedes Mal einen Ruck bzw. läuft er selbst in das Halsband hinein, erfährt er gleichzeitig eine unangenehme Empfindung oder sogar Schmerzen. Passiert dies öfters, verbindet der Hund gedanklich unangenehme Empfindungen in unserem Beispiel mit Kindern. In weiterer Folge kann es zu Abwehrverhalten und damit Aggressionen gegenüber diesen Reizen (Kindern) kommen, um sich den Schmerz „vom Leib zu halten“. So kann auch die sogenannte Leinenaggression gegenüber Hunden entstehen. Beim Anblick eines anderen Hundes erhält der Hund einen unangenehmen bis schmerzhaften Impuls, verbindet in der Folge das Unangenehme mit Hunden und beginnt aggressiv gegenüber Hunden zu reagieren.
Der Hals als soziales Organ
Über den sensiblen Halsbereich erfolgt viel taktile Kommunikation (Berührungen). Das Berühren des Halses, Zeigen des Halses, Fassen des Halses hat in der hundlichen Kommunikation zahlreiche Bedeutungen. Nur gute Freunde dürfen (im Zuge des Pflegeverhaltens) an die Seitenpartie des Halses heran. Diese fein abgestufte Empfindsamkeit stumpft natürlich über das Tragen eines Halsbandes ab. Auch bei uns Menschen ist der Hals ein wichtiger Bereich. Nicht umsonst gibt es Redewendungen wie „Bleib mir vom Hals“. Krawatten, etc. lösen beengende Gefühle aus – und hier ist noch gar kein Zug vorhanden.
Verkehrssicherheit – Sicheres Halten und Bergen des Hundes
Mit einem Brustgeschirr kann der Hund wesentlich schneller und sicherer gehalten werden, wenn es einmal wirklich notwendig ist. Man hat den gesamten Körper des Hundes im Griff und nicht nur den Hals. Das Halten am Rückensteg eines Brustgeschirres ist für den Hund wesentlich angenehmer und stressfreier als am Halsband. Dadurch ersparen wir uns einen plötzlichen Griff in den Nacken, der ein reflexartiges Schnappen des Hundes in einer angespannten Situation hervorrufen kann. Verletzungen der Finger oder Hand durch einen sich im Halsband windenden Hund werden vermieden. Abgesehen davon ist es einfacher den Hund aus einer Gefahrenzone herauszuziehen bzw. -zu heben, ohne ihn dabei zu würgen.

